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| 06. Dezember 2011
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Das neue Magazin "Unsere Wirtschaft" der Industrie- und Handelskammer Lüneburg-Wolfsburg Dezember 2011 liegt mir heute vor und ich kann mal wieder nur staunen, was dieser monopolisierte Pflichtverein des vorletzten Jahrhunderts uns hier als geneigter Leser und Pflichtmitglied als Unternehmer-Meinung auf Seite 3 präsentiert.
Es äussert sich eine Frau Henke, ihres Zeichens geschäftsführende Gesellschafterin der hankenbütteler kunstoffverarbeitung GmbH & Co. KG, zur so genannten "Herdprämie" mit dem nachhaltigen Schlußsatz:
Kein Unternehmer würde so nachlässige und kurzsichtige Entscheidungen treffen.
Worum geht es? Die Bundesregierung wird ab 2013 100 EUR monatlich an diejenigen Eltern auszahlen, die sich dagegen entscheiden, ihr Kind ab dem 1. Lebensjahr in eine öffentliche Betreuungseinrichtung zu schicken, - ab 2014 werden dies 150 EUR Betreuungsgeld sein - , und sich dafür entscheiden, das Kind in eigenen Spielgruppen, Zuhause oder in private und nicht öffentliche Einrichtungen zu bringen.
Frau Henke ist der Auffassung, dass man mit dem Verzicht der Abgabe des Kindes in eine öffentliche Einrichtung knapp über dem Säuglingsalter dem Kind - und man staune - "das Recht auf frühkindliche Bildung günstig abkauft" und dies wäre "ein Armutszeugnis für unsere Gesellschaft".
Liebe Frau Henke, wenn Sie sich als Unternehmerin schon öffentlich im Lobbyisten-Blatt der Industrie- und Handelskammer zur Tages- und Familienpolitik äussern, stellen Sie es bitte nicht so da, als wenn alle Unternehmer im IHK-Bezirk Ihre Auffassung teilen würden. Ganz im Gegenteil - wir sind froh, dass es noch Eltern gibt, die die wichtigen ersten 3 Lebensjahre des Kindes durch eine starke emotionale und unmittelbare Bindung an das Kind prägen und es nicht einfach kurz nach der Geburt in öffentliche Verwahr- und Besserungsanstalten senden, so wie Sie es gerne hätten.
Nicht nur Eltern haben ein Recht darauf, das Zusammensein mit Ihrem Kind zu geniessen, fernab von dem wirtschaftlichen Druck, den Unternehmen auf die Mütter ausüben, schnell wieder an den Arbeitsplatz zurückzukehren. Auch das Kind hat ein Recht auf seine Eltern und vor allen Dingen auf die Zeit, die es mit seinen Eltern verbringen kann, auch wenn ein einjähriges Kind seine Bedürfnisse dazu nicht klar äussern und den volkswirtschaftlichen Vorteil darstellen kann.
Letztendlich kommt es auch den Betrieben zugute, wenn wir Eltern empathiefähige Kinder in den Kindergarten bringen und diese nicht durch schlechte staatliche Betreuungseinrichtungen gleichgemacht und kindlich abgeschaltet werden. Und die Mutter hat ein Anrecht darauf, nach ein anstrengenden Zeit der Schwangerschaft, einer noch anstrengenderen Geburt und Gewöhnung an ein neues Leben mit einem neuen Erdenbürger, diese Zeit zu geniessen. Liebe Frau Henke, sorgen Sie lieber dafür, dass Mütter und junge Familien diese neue Zeit mit ihrem Kind sorgenfrei in den ersten Jahren gestalten können, die Mütter auch nach 3 Jahren in den Betrieb zurückkehren können und bringen Sie nicht schon mit dem ersten Jahr nach der Geburt ein überreguliertes und gleichmachendes langweiliges Leben auch in den Alltag dieser Familien, die sich entgegen unseres Zeitgeistes für ein Kind mit allen Sorgen, Freuden und Nöten entschieden haben.
Und, liebe Frau Henke, kommen Sie uns nicht mit Tradition, Kontaktpflege zu Mitarbeitern und Fachkräftemangel, sondern gestalten Sie die Arbeitsplätze dieser jungen Mütter so, dass es flexible Arbeitszeiten Zuhause gibt und finanzielle Nöte in jungen Familien keine Rolle spielen. Denn nicht Sie, Frau Henke, und Ihr kunststoffverarbeitendes Unternehmen sind unsere Zukunft, sondern der neue Erdenbürger, den Sie so früh wie möglich im System vereinnahmen wollen und seinen Elternkontakt auf das aus Ihrer Sicht sozialverträglich und wirtschaftlich sinnvolle Mass reduzieren wollen. Kinderkrippen sind eine Einrichtung für Erwachsene und nicht für Kinder.
Gerade zu Weihnachten hätte man erwarten können, dass auch einmal der IHK-Vorstand solche Meinungsartikel im IHK-Magazin liesst und auf Geeignetheit prüft. Dieser Artikel zur wirtschaftlich sinnvollen Kinderbetreuung, liebe Lobbyisten, war nicht nur völlig daneben, sondern auch alles andere als passend zur Weihnachtszeit und zum von Unternehmen beklagten Nachwuchsmangel. Zum Glück haben "Die Piraten" auf ihrem Parteitag am letzen Wochenende zum ersten Mal wieder die Abschaffung der Pflichtmitgliedschaft in den Industrie- und Handelskammern auf die politische Agenda gesetzt und wir hoffen, dass das auch was wird, damit wir solch einen Unsinn, wie ihn uns die IHK in "Unsere Wirtschaft" präsentiert, nicht mehr oft lesen müssen. Darum - IHK abschalten, jetzt!
Lesen Sie dazu auch extern:
Krippenbetreuung als ambivalentes Unternehmen in Psychoanalyse Aktuell von Dipl.-Psychologin Ann-Kathrin Scheerer
Originalartikel "Zurück an den Herd", Frau Aline Henke
Am IHK-Thema sind wir schon lange dran: Lesen Sie auch unseren Artikel "Industrie- und Handelskammer Wolfsburg Lüneburg abschaffen".






Kommentare
Geschichtliche Überbleibsel des Zunftwesens passen einfach nicht mehr zu einer freien demokratischen Gesellschaft.
Abschalten muss man die IHK deswegen durchaus nicht; sie wird ein paar Mitglieder behalten, und die werden glücklich sein, denn die Unglücklichen sind gegangen.
Sie stellen die These auf, dass eine Mutter, die zu Hause bleibt und das Kind nicht in einen Kindergarten gibt, eine engere emotionale Bindung zum Kind aufbaut als eine Mutter, die das Kind in den Kindergarten bringt. Sicherlich haben Sie für diese Aussage keine Belege, denn sie ist totaler Unsinn. So gehen in Frankreich die Mütter in der Regel nach einer kurzen Zeit (ich glaube 6 Monate) wieder arbeiten. Und Sie wollen mir doch nicht tatsächlich sagen, dass Mütter in D eine emotionalere Bindung an ihre Kinder haben als in F? Darüber hinaus ist klar bewiesen, dass Kindergartenkin der eine höhere emotionale Intelligenz haben als Kinder, die zu Hause gelassen werden, siehe z.B. unter http://www.kindergartenpaedagogik.de/1278.pdf. Somit würden Sie davon profitieren, wenn mehr Kinder in den Kindergarten gehen, da hierdurch die Empathiefähigke it der Kinder gesteigert wird.
Wen nicht IHK wer soll das dann machen ?
Man sollte halt erst mal nachdenken, bevor man Forderungen stellt.
Nein. Es wird die These aufgestellt, dass sich eine Industrie- und Handelskammer dazu öffentlich besser nicht äussert und es keine generell verbindliche Unternehmermein ung zu diesem Thema geben kann.
Es wird ferner die These aufgestellt, dass es offenbar ein gesteuertes staatliches und unternehmerisch es Interesse gibt, Kinder früh in Krippen zu bringen, was durchaus konträr zum Kindes- und Elternwohl sein kann.
Dann sollten wir vielleicht gezielt eine IHK-Pflichtmitglied schaft für Migranten einrichten und so auch gezielt diese durch frühen Krippenbesuch gesellschaftsta uglich machen? Nein, das meine ich nicht ernsthaft, sondern will damit nur das Absurde aufzeigen, was sich heute deutsche und auch migrierte oder ausländische Eltern in bürgerlichen Verhältnissen so alles gefallen lassen müssen.
Ja, darüber haben wir uns lange Gedanken gemacht und keine geeigneten Leistungen für kleine Selbständige oder KMU entdeckt. Lesen Sie dazu auch diesen Artikel, wenn Sie mehr über die tatächlichen Leistungen erfahren wollen:
www.adversario.de/Kommentar/industrie-und-handelskammer-wolfsburg-lueneburg-abschaffen.html
Aber die Kosten wurden in der Vergangenheit reduziert und wenn die Umsätze unter einem Limit sind, werden die Mitgliedsbeiträ ge auf 0 gesenkt.
Dann sollten Sie einmal die von den IHK betriebenen Existenzgründer beratungen besuchen und danach handeln und eine dort empfohlene UG oder GmbH gründen. Ich kann Ihnen aus eigener Erfahrung berichten, seit Jahren ist unser Beitrag nur gestiegen und das in jeder Rechtsform. Eine Kapitalgesellsc haft, selbst wenn sie kaum Umsätze generiert, wird nicht von Beiträgen befreit.
Das kommt auf den Standpunkt an. Wenn wir den Punkt Kosten nehmen, muss es ein klares Votum gegen die Herdprämie geben. Nehmen wir die Bildung, die emotionale Intelligenz und Entwicklung, ist ebenfalls die Entscheidung klar gegen Herdprämie. Ich sehe nur einen Grund, der für die Herdprämie steht, und das ist die Förderung eines überkommenen Familienbilds.
Zitat:
Ja, das gibt es und es nennt sich Kindeswohl, da es im Durchschnitt besser ist für das Kind, was im Einzelfall anders sein kann. Aber es muss eine Regelung geben, die für die Mehrheit zutreffend ist.
Ganz klar nein. Aus der Kostenperspekti ve ist sicherlich der Bau und der Betrieb geeigneter (!) Krippen teuerer, als die Kinder in einem geordneten bürgerlichen Haushalt bis zum Alter von 2 zu belassen.
Quoting
Das Kindeswohl ist einer der meist strapazierteste n Begriffe in diesem Zusammenhang und auch hier völlig deplatziert, da es weder der IHK noch dem Staat um Kindeswohl des bürgerlichen Kindes geht, sondern um die Integration sozialbenachtei ligter Kinder, was aber niemand öffentlich laut ansprechen will.
Die Folgekosten sind enorm, wenn der Elternkontakt eines einjährigen Kindes sich auf 3 Stunden täglich beschränkt und wir dem Willen der IHK zur ständigen Verfügbarkeit der Arbeitnehmer und 6 Tage-Woche folgen. Es ist schlicht eine Herausnahme (wie es so schön befremdlich heisst) des Kindes aus dem Haushalt und dies sollten sich keine Eltern gefallen lassen.
Grundsätzlich liegt die Wahrheit jedoch dazwischen. Haben Sie ordentliche Krippen und sorgende Eltern, dann sind die Kinder auch nicht von 7-16 Uhr in der Krippe und in der Krippe wird deutsch gesprochen, auf Sauberkeit und Umgang geachtet und die Einhaltung von Regeln. Das ist aber in gut 60% der deutschen Krippen nicht der Fall, insbesondere dann nicht, wenn Sie in Berlin Neu-Köln wohnen. Es ist auch eine Frage, ob ich ein so gleichgemachtes Kind überhaupt als Eltern haben möchte, das mehr Kontakt zur russischen oder kurdischen Sprache hat, als zu den eigenen Eltern. Haben Sie aber Eltern, die schon einfachste Kindererziehung nicht leisten können, dann kann eine Krippe sehr wohl ein Teil der Elternarbeit ersetzen. Das ist aber nur eine Symptombekämpfu ng und keine Lösung für ein gesamt-gesellschaftlic hes Problem.
Diese Opas wissen noch nicht mal, dass wir in einem Schuldgeldsyste m leben, geschweige denn, was das ist.
Es geht hier um ein raffiniertes Ausbeutungssyst em, das alle nur die positiven Gewinne erkennen lässt. Die Wirtschaftssubj ekte werden um einen immer Großteil ihrer Arbeitskraft betrogen und merken es gar nicht. Die Gesamtverschuld ung steigt erzwungenermaße n immer weiter, bis die Verschuldungska pazität endgültig erreicht ist und der ganze Laden unter lautem Getöse zusammenkracht.