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Sind Sie Online-Journalist? Dann kennen Sie VG WORT sicherlich. Nein? Wenn Sie betagter klassischer Journalist mit Print-Hintergrund sind, kennen Sie aber VG WORT, oder? Auch nicht. Das sollten Sie ändern, denn dort gibt es Geld. Angeblich. Wie das aussehen könnte, versuche ich Ihnen hier zu erklären. Ich versuche es. Sie werden schnell merken, es bleibt ein Versuch.

Die VG WORT (Verwertungsgesellschaft Wort) ist seit 1958 ein rechtsfähiger Verein, in dem sich Verlage und Autoren zusammengeschlossen haben sollen, um die Verwertung ihrer Urheberrechte gemeinsam zu regeln. Dennoch kenne ich nur recht betagte Journalisten, die meistens bei lokalen Tageszeitungen arbeiten, die die VG WORT kennen. Warum ist das so?

An sich ist die Unbekanntkeit kaum zu verstehen, gibt es doch dort Geld und zwar für eine Arbeit, die eh bereits getan ist. Man muss nur wissen, wie man da ran kommt. Und das ist das Kreuz. Klassisch musste man (man soll es noch heute kennen), Meldelisten seiner Veröffentlichungen zusammenstellen und diese zu bestimmten Stichtagen an die VG WORT übersenden. Diese schütten dann Geld aus, aus einem Topf, der vorher ordentlich durch die Verwerter gefüllt sein sollte. Und das ist nicht wenig, was Zeitungen, Presseportale da jährlich zusammentragen.

Tatsächlich kenne ich Journalisten, die ihre jährlichen Veröffentlichungen dort auch klassisch auf dem Postweg melden und nach einiger Zeit einige hundert Euro überwiesen bekommen. Eine solche Meldung kann man als Jahresabschlussfeier bezeichnen. Sie dauert meistens einen ganzen Tag, man kommt ordentlich ins Schwitzen beim Zusammensuchen der Veröffentlichungsorte und Titel, die sich das ganze Jahr angesammelt haben und irgendwie beendet man das dann ziemlich ernüchtert mit der klaren Vorgabe, im nächsten Jahr führe ich eine Excel-Liste, um das abzukürzen.

Das wäre an sich alles dazu zu sagen, wenn da nicht das Internet wäre. Auch die VG WORT hat es entdeckt und beschlossen, dass gerade Internet-Veröffentlichungen ja einfach technisch zu erfassen wären. Dazu hat sie prior it (http://www.priorit-services.com) und Co. offensichtlich beauftragt (Meinung des Autors aufgrund des Urheberhinweises), ein System zu entwickeln, das diese Veröffentlichungen erfassen kann und so ein neues Meldesystem in Blockwarttypologie bildet.

Die Anmeldung ist ähnlich aller bekannten behördlichen Anmeldungen kompliziert, lang, und voll mit Fachbegriffen. Der aufmerksame Leser merkt auf - es ist keine Behörde, sondern ein Verein. So muss z. B. ein "Wahrnehmungsvertrag" akzeptiert werden, man erhält eine Karteinummer und und und. ABER - natürlich ohne Internetnutzung. Richtig und ganz traut man diesen elektronischen Daten wohl nicht.

Das war einfach.

Jetzt muss man sich mit seinen Anmeldedaten bei T.O.M. (Text Online Melden - https://tom.vgwort.de/portal/) anmelden und dann geht die Katastrophe ihren Gang. Wer nun ein schlanken einfaches System erwartet hat, wird enttäuscht. In bester Bürokratenmanier wird hier von METIS, Zählermarkenbestellung, Zählermarkenbestellung, Zählermarkenrecherche, Privater Identifikationscode, Öffentlicher Identifikationscode, Webbereich und und und gesprochen.

Hat man dann anhand des dort angegeben Codes die Zählermarken in den eigenen Texten platziert, sollte man nicht vergessen, den Webbereich anzulegen, denn wer hier erwartet, so ein Zähler startet von alleine, glaubt auch, dass der Osterhase die Ostereier bringt. Und, wenn er denn von alleine startet, erreichen Sie sowieso nicht die notwendigen Zugriffe, um eine Meldung abgeben zu können, die Sie irgendwie copy/paste-mässig mit den Privaten Identifikationscode erstellen müssen. Oder es scheitert eben daran, dass VG WORT überhaupt noch gar nicht die notwendigen Mindestabrufe festgelegt hat. Der Rainer Just und der Robert Staats haben irgendwie ihren Job als Vorstände der VG WORT nicht gut gemacht. Ein Schelm, der meint, die machen einen dollen Job, weil ja keiner die Kohle haben soll.

Ich geb es zu. Ich hab vergessen, die Webbereiche anzulegen, weil ich ein erfahrener Internetnutzer bin. Nun versuche ich von X Texten herauszufinden, wo ich die Identifikationscodes eingebaut habe. Das ist schlicht nicht möglich. Gewundert habe ich mich nur, dass die Zähler nicht starteten nach nun über 5 Monaten. Mein verzweifelter Klick auf Hilfe brachte eine Anleitung zu Tage, die eher an das Beiblatt der Einkommensteuererklärung erinnert. Verstanden habe ich es nicht. Aber, ich habe auch aufgegeben dies als Viel-Leser zu lesen.

Gut, mein Geld wirds dieses Jahr nicht geben und ich überlege ernsthaft, T.O.M. bei prior it zu belassen. Die müssten es zumindest verstanden haben. Aber die könnten mir noch eine Frage beantworten: Wo findet man Programmierer, die das verstehen und auch umsetzen können? Ich kenne an sich nur Entwickler, die sich weigern würden. Ok, die sind auch alle unter 40.

Schauen Sie einmal selbst:

P. S.: Ich hab es dann doch noch geschafft. Dieser Artikel ist der erste, der mit einer Zählermarke ausgestattet ist, die auch zählt. Möge mir der Artikel sehr sehr sehr viel Geld bringen. Danke TOM, danke prior it, danke danke.



Kommentare 

 
#1 Einer 2010-12-09 20:36
das geht aber auch nur, wenn der webseitenbesuch er bilder aktiviert hat und kein adblocker diese blockiert, da sie auf dem server der vgwort liegen. Ausserdem impliziert dies, dass die vgwort Zugriffstatisti ken erhält und jede Webseite eigentlich darauf hinweisen müsste, das hier externe Daten eingebunden werden, etc.
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#2 Tom 2010-12-09 20:46
Da ich es nicht mag, wenn ich ohne mein explizites Einverständnis getrackt werden soll, ist selbstverständl ich auch

||met.vgwort.de^

längst Regel in meinem Müllfilter.
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#3 Klopfer 2010-12-09 22:24
Ich verstehe das Problem nicht.

Ich hab die Zählmarken eingebaut (natürlich fein säuberlich in einer Excel-Liste verzeichnet, wo ich welche Marke eingebaut habe), und die Zählung startete mit dem ersten Abruf eines Pixels. Im Mai nächsten Jahres kam dann die Meldung, welche Zählpixel über den Mindestzugriff gekommen sind, dann hab ich für diese die Webbereiche angelegt und danach die Meldung vollzogen. Im September kam dann ein Scheck. Ich hatte kein Problem damit, die Webbereiche erst später festzulegen.
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#4 Marc 2010-12-09 23:03
Ich habe ich eh so meine Zweifel, wem das tatsächlich nützt.

Interessant wäre eine Ausschüttung, wenn sie für einen Jahr arbeiten einem 13. Monatgehalt entspräche. Gibt's aber nicht.

Ich vermute aber, der Teufel scheißt auch hier auf die größten Haufen, die den Zuschuss über die VG Wort aber eigentlich auch nicht brauchen - wären aber auch blöd, wenn sie ihn nicht nehmen würden.

Und so rechtfertigen hunderttausende Habenichtse - die Kleckerbeträge bekommen - durch Mitgliedschaft ein System, das einer Minderheit an Autoren wirklich was bringt (ok, es sichert auch die Jobs bei der VG Wort-Verwaltung).
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#5 Stefan 2010-12-10 10:30
Wir haben auch ein paar Kunden, die das einsetzen wollen und bei uns hat sich auch ein Mitarbeiter einen ganzen Tag damit beschäftigen müssen, um zu verstehen, wie das funktionieren soll.

Jetzt ist es eigentlich nur noch ein Code, den ein Redakteur bei einem Artikel eingeben muss. Diese bekommt er aus einer Liste. Das automatisieren wir aber auch noch.

Wenn dann wirklich mal am Jahresende Kohle dabei übrig bleibt, dann wäre das ja was... :)
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#6 Konrad 2010-12-10 12:09
Was qualifiziert einen denn als "Online-Journalist"? Das man online Texte schreibt? Also z.B. bloggt?
Oder braucht mal einen berufsqualifizi erenden Abschluss in diesem Bereich?
Oder kann jeder diese Zähler auf seine Seite bauen und die 3 cent 80 von der VG-Wort kassieren?
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#7 Peter 2010-12-10 21:02
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Was qualifiziert einen denn als "Online-Journalist"? Das man online Texte schreibt? Also z.B. bloggt?
Oder braucht mal einen berufsqualifizi erenden Abschluss in diesem Bereich?
Oder kann jeder diese Zähler auf seine Seite bauen und die 3 cent 80 von der VG-Wort kassieren?

das würde mich auch mal interessieren
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#8 Matt 2010-12-11 12:12
Ich erfreue mich seit zwei Jahren einer jeweils vierstelligen Überweisung durch die VG Wort für meine Bloggerei. Und dafür absolviere ich seufzend, aber letztlich doch gerne diesen höchst anspruchsvollen Parcours aus Hürden, Fallen und Attacken aus dem Hinterhalt … ;)
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#9 Christian 2010-12-15 22:45
Ähem, also diese VG Wort - Schelte ist seltsam. Ich bin ein klassischer Journalist, ich gehöre also nicht zu den Menschen, die tatsächlich mal Texte auf Papier veröffentlicht haben, und ich kann nur sagen: Wer über die VG Wort meckert, der macht das aus nur einem Grund - um junge Blogger davon abzuhalten, diesem Opa-verein beizutreten, damit die Zahl der Mitglieder übersichtlich bleibt (und damit auch die Ausschüttung nicht zu viele Profiteure erreicht). Um eines klar zu sagen: Ich bin kein Großer, aber der Scheck, der da jeden Juli eintrudelt, der hilft, wie man so schön sagt. Also, der Zeitaufwand lohnt sich.
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#10 MarcusM 2010-12-16 09:19
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Ähem, also diese VG Wort - Schelte ist seltsam. Ich bin ein klassischer Journalist, ich gehöre also nicht zu den Menschen, die tatsächlich mal Texte auf Papier veröffentlicht haben, und ich kann nur sagen: Wer über die VG Wort meckert, der macht das aus nur einem Grund - um junge Blogger davon abzuhalten, diesem Opa-verein beizutreten,


Finden Sie die Einkommensteuer erklaerung auch ok, weil da viele Menschen Geld zurueckbekommen ? Oder wird ueber die Einkommensteuer erklaerung nur gemeckert, weil die Leute daran gehindert werden sollen, Ihr Geld zu bekommen?
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#11 Richard 2010-12-16 10:45
Endlich ein Leidensgenosse. Wir haben zusammengefasst fast eine Woche Manpower gebraucht, um die Onlineabrechnun g mit Zählpixeln, Meldung etc. zum laufen zu bringen. VG Wort will das eigentlich nicht, war unser Eindruck. Dass die Abrechnung nicht nachvollziehbar ist kommt dazu, altertümliche Verrechnungssch ecks zeigen wohl den technischen Stand.
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#12 georg 2010-12-23 10:45
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Ich erfreue mich seit zwei Jahren einer jeweils vierstelligen Überweisung durch die VG Wort für meine Bloggerei.


Das kann ich mir vorstellen. Hilfreich ist wahrscheinlich auch, wenn man auf eine Seite möglichst viele 'Artikel' packt, die alle beim Seitenaufruf die entsprechende 'Meldung' an den vg-wort-Server senden - klar, die meisten Nutzer lesen bestimmt alle Einträge auf einer Seite, da ist das schon gerechtfertigt ...

Wenn ich zum Beispiel die Startseite von deinem Blog aufrufe dann erhöht sich der AdBlock-Plus-VG-Wort-Filter-Regel-Count um ~ 30.
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#13 Fm 2011-01-15 22:12
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Jetzt ist es eigentlich nur noch ein Code, den ein Redakteur bei einem Artikel eingeben muss. Diese bekommt er aus einer Liste. Das automatisieren wir aber auch noch.

Sind diese Erfahrungen und das daraus entstandene Wissen teilbar?

Viele Grüße
Fm
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#14 Steve 2011-02-08 00:48
Ich kann hier allen, die sich für die Thematik interessieren, nur wärmstens die Anleitung von Elke Fleing ans Herz legen.

Sie erklärt wirklich verständlich, wie wo vorzugehen ist:

http://berufung-selbststaendig.de/2010/04/11/ausfuhrliche-anleitung-wie-ihr-als-autor-tantiemen-fur-online-texte-von-der-vg-wort-bekommt/
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